Liebe Gemeinde,

jeder von uns hat Träume und Ziele und jeder von uns versucht, sie zu erreichen. Meist sind es ganz normale Träume und Ziele: eine gute Schulbildung, ein guter Beruf, eine Familie, ein eigenes Haus, gesichertes Alter und Bewahrung vor Krankheiten und einem langen Leiden. Und meist versuchen wir diese Ziele auch auf normalem Weg zu erreichen. Doch immer wieder schleichen sich, auch bei uns, Methoden ein, die die Beziehungen zwischen uns Menschen vergiften. Beim Kampf um eine gute Karriere müssen die Konkurrenten übertrumpft werden, manchmal leider mit Intriegen oder gemeinen Methoden, wie Mobbing, oft wird durch den Überlebenskampf im Berufsleben die Familie vernachlässigt und es fällt einem dann erst hinterher auf, was das für schlimme Folgen für die Kinder und die Ehe hat. Bei der Sicherung von Haus und Hof kommt es oft zu Erbstreitigkeiten, an denen ganze Familien zerbrechen.

Auch im Leben von Jakob ist Vieles kaputt gegangen. Er hatte einen Traum von einem von Gott gesegneten Leben. Er wusste, was er wollte und er hat alle dafür eingespannt: seinen Vater, seine Mutter, seinen Bruder und auch Gott. Aber das erträumte Glück geht zu Bruch. Ehe es richtig begonnen hatte, steht Jakob vor dem Trümmerhaufen zerbrochener Beziehungen. Jakob wollte Gott für seine eigenen Ziele gewinnen. Doch Gott hatte ja schon längst einen Plan mit ihm. Warum konnte er nicht warten? Warum hat er so eigenmächtig gehandelt? Nun war alles zerbrochen. Jakob konnte sich Zuhause nicht mehr sehen lassen. War noch Hoffnung für den Weg Gottes mit ihm? Gott sei Dank, ja, - weil Gott jeden Menschen kennt, und manchmal auch lange Wege mitgehen muss, bis wir Menschen erkannt haben, was Gottes Weg mit uns ist. Als eine Station auf diesem langen Weg Jakobs mit Gott dürfen wir bis heute den Bericht über Jakobs Traum von der Himmelsleiter bedenken. Das 1., was wir hier sehen, ist: Gleich am Anfang seiner Flucht und mitten hinein in die abgebrochenen Beziehungen macht Gott Jakob deutlich: „ICH BIN mit dir! Rechnen wir Menschen damit, - dass Gott da ist, auch wenn gerade alles kaputt gegangen ist, mutwillig zerstört durch Gier und Intriegen? Ich glaube, nicht wirklich. Wenn wir in einer solchen Situation wären, wir würden es für gerechtfertigt halten, wenn Gott sich in solchen Fällen erst einmal zurückzieht. Und ich denke, wir wären erstaunt, wie Jakob, von Gottes Nähe zu erfahren. Gott kommt mitten hinein in die verfahrene Situation bei Jakob, und wir können davon ausgehen, dass Gott auch in unseren verfahrenen Situationen da ist.

2. Der Traum Jakobs ist kein Traum, wie er in diesen Situationen üblich ist, kein normal menschlicher Traum; denn der wäre ja, dass wir uns im Schlaf herumwälzen und ständig die schlimme Situation von allen Seiten beleuchten, voller Angst, was kommen wird, geplagt von Schuldgefühlen, ein Alptraum, in dem man mehrmals Schweiß-gebadet aufwacht. Jakobs Traum war ganz anders; - ein von Gott geschenkter Traum, ein Bild aus Gottes Welt, das nicht Jakobs Fantasie entstammt: Eine Leiter, die auf der Erde steht und in den Himmel reicht. Engel steigen auf ihr herunter und hinauf, und oben auf der Leiter steht Gott. Es ist seine Leiter, seine Leiter, die bis auf die Erde reicht. Sie erinnert mich an das Kommen Jesu aus Gottes Welt in unsere Welt. Damit macht Gott deutlich, dass er da ist, auch im momentan verpfuschten Leben von Jakob. Ist das nicht ein großer Trost? Ist das nicht einfach umwerfend, wie Gott dem Jakob hier begegnet? Kein moralischer Zeigefinger; keine Vorhaltungen über die zerstörten Beziehungen; keine Predigt, dass Jakob sich aber jetzt zusammenreißen soll. Vielmehr erneuert Gott gegenüber Jakob seine Verheißungen, die er schon Abraham und dann Isaak gegeben hat. Nicht wahr, ein langer Atem, den Gott hier beweist! Er erneuert seine Verheißungen. Er gibt zum wiederholten Mal seinen Plan bekannt. Es erscheint mir so, als ob Gott in großer Liebe und Fürsorge mit seinen Worten um das Vertrauen Jakobs wirbt: „Vertrau mir doch! Das, was du bisher gemacht hast, war deine Angst, dein Misstrauen – doch du kannst mir vertrauen.“ Ich denke, wir alle kennen diese Angst, zu kurz zu kommen, und handeln aus dieser Angst oft so, dass Beziehungen zerstört werden. Wir müssen wie Jakob diese Angst nicht haben. Für uns ist Jesus gekommen, nicht ein Traum, sondern es ist eine reale Gottesbegegnung durch ihn. Jesus hat uns Gottes Zuwendung gebracht. Durch ihn und mit ihm haben wir mehr, als Ehre und Karriere und Geld und was uns so wichtig erscheint. Mit IHM, mit Jesus, kommen wir durch, auch in schlechten Zeiten. Da, finde ich, passt das AT: Gottes Handeln mit Jakob - und Gottes Handeln mit uns durch Jesus, vom NT her, ganz genau zusammen. 3. Und auch der lange Atem Gottes begeistert mich. Wir würden sagen: auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Jakob war in seinem Handeln ja wirklich nicht zimperlich. Er hat seiner Familie viel zugemutet und sich nicht wie ein von Gott Auserwählter verhalten. Wir würden einem solchen Kerl einen kurzen und scharfen Prozess wünschen. Dem muß man Einhalt gebieten, und zwar schnell. Doch Gott weiß besser, wie er mit ihm umzugehen hat, wie er ihn zu nehmen hat, damit Gott am Ende mit Ihm SEIN Ziel erreicht. Nach dem Traum, als Jakob aufwacht, ist er längst noch nicht bereit, sich einfach in Gottes Willen und seine Plan zu fügen. Er, Jakob, stellt Gott Bedingungen. Er will für seinen Weg Gottes Schutz und Essen und Kleider, dafür soll Gott sorgen, und wenn Gott das tut, dann will Jakob ihn als Gott akzeptieren. Ist das nicht deprimierend? So mit dem lebendigen Gott umzugehen? Hat Jakob denn garnichts von Gott begriffen? Erst 20 Jahre später, am Ende der Zeit bei Laban, nach dem Kampf am Jabbok, ist Jakob bereit sich wirklich auf Gott einzulassen und ihm gehorsam zu sein. 20 Jahre läßt Jakob Gott warten – 20 Jahre braucht Jakob, bis er soweit ist, - Gott gehorsam zu sein. Erst dann kann Gott seinen Weg mit Jakob weitergehen. Eine unwahrscheinliche Geduld, die der lebendige Gott hier an den Tag legt. Darüber können wir nur staunen – und uns freuen, denn auch wir erfahren diese Geduld, obwohl wir es meist nicht wissen.

Der Traum Jakobs von der Himmelsleiter macht uns deutlich: Gott ist da, immer, auch dann, und gerade dann, wenn wir vor den Trümmern unseres Lebens stehen. Er gibt uns nicht auf, und hat einen guten Weg für uns. Gott kennt uns, wie kein anderer und er weiß, wie er uns zu nehmen hat (wie er mit uns umgehen muss), damit wir SEINEN Weg mit uns und für uns finden. Seiner Führung können wir uns anvertrauen. Ich denke, oft, strapazieren wir Gottes Geduld bis ins Unermessliche. Und Gott baut in seiner großen Güte auch unsere Umwege und unser Scheitern in seinen guten Weg mit uns ein. Laßt uns in dieser Woche darüber nachdenken, Gottes Weg mit uns beobachten und uns ihm neu anvertrauen, damit Gott nicht so weite Umwege mit uns mitgehen muss. Und der Friede Gottes, der höher ist, als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN.